Katharina Steinruck gewinnt Team-Gold im Marathon am ersten Tag der EM
  16.08.2022 •     HLV , Leistungssport


Am ersten Tag der Leichtathletik Europa-Meisterschaften in München musste ein hessisches Trio ran. Den Anfang machen die Marathon-Läuferinnen, die um 10.30 Uhr am Odeonsplatz auf die vier Runden durch die Isar-Metropole geschickt wurden. Mit dabei im sechsköpfigen deutschen Team war auch Katharina Steinruck. Die Langstrecklerin von Eintracht Frankfurt lief ein starkes Rennen ehe sie in einer Bodenvertiefung fehltrat und dabei umknickte. „Danach konnte ich nicht mehr so richtig Druck auf die Straße bringen, was natürlich auch aufs Tempo drückte. Durch das unrunde Laufen machte dann in der Endphase auch noch die Muskulatur zu. Ich wollte den Marathon aber unbedingt beenden. Die Stimmung hier war absolut phantastisch. Da konnte ich nicht einfach so aussteigen“, verriet Steinruck kurz nach dem Zieleinlauf. Ärgerlich, dass „Kata“ nicht voll durchziehen konnten, denn bis zu dem Fehltritt lief die Eintrachtlerin immer in der (erweiterten) Spitzengruppe mit und wäre auch eine Kandidatin für die Top-Drei in der Team-Wertung gewesen. 

Doch blicken wir an die Spitze des Feldes. In der entscheidenden Phase war Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) hellwach und kämpfte mit um die Medaillen. Am Ende setzte die Polin Aleksandra Lisowska die entscheidende Attacke und holte mit 2:28:36 Stunden die erste Goldmedaille der Titelkämpfe. Als Zweite überraschte nach 2:28:42 Stunden Matea Parlov Kostro (Kroatien). Der Kampf um Bronze war dann wahrlich nichts für schwache Nerven. Im Zielsprint setzte sich Nienke Brinkmann (NED) hauchdünn mit 2:28:52 Stunden gegen die zeitgleiche Miriam Dattke durch. Die Regensburgerin führte damit die deutsche Mannschaft (es werden die jeweils drei schnellsten Zeiten pro Nation berücksichtigt) an, die noch von Domenika Mayer (ebenfalls LG Telis Finanz/6. in 2:29:21 std.) sowie Deborah Schöneborn (SCC Berlin/10. mit 2:30:35 std.) ergänzt wurde. 

Damit wurde die deutsche Equipe ihrer Favoritenrolle vollauf gerecht und holte mit 7:28:48 Stunden Gold im Mannschafts-Europa-Cup vor Spanien (7:39:25 std.) und Polen (7:40:54 std.). Bei diesem Team-Format erhalten alle Teilnehmerinnen eine Medaille. Somit ging es auch für Rabea Schöneborn (SCC Berlin/12. in 2:31:36 std.), Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt/15. nach 2:32;41 std.) sowie Kristina Hendel (LG Braunschweig/20. nach 2:35:14 std.). bei der Siegerehrung auf die höchste Stufe des Treppchens.

„Wir hatten am Ende noch nie ein Team im Ziel. Bislang waren wir immer nur zu zweit, die ins Ziel gekommen sind. Heute sind es sechs! Wir sind sechs Mädels in den Top 20, drei in den Top Zehn - mega“, freute sich Steinruck.

Richtig gut drauf war Patrick Schneider (TV Wattenscheid). Der Langsprinter, der regelmäßig am Frankfurter Olympiastützpunkt trainiert, gilt mittlerweile als „Fast-Hesse“. Im vierten und letzten Vorlauf über 400 Meter ging Schneider auf Bahn sieben ins Rennen, machte gleich mächtig Druck und zeigte eine absolut souveräne Vorstellung. Als es auf die letzten 100 Meter ging, hatte Patrick noch drei Mitstreiter auf fast gleicher Höhe auf den benachbarten Bahnen neben sich. Dann ging der Konkurrenz ein wenig der Sprit aus, während Schneider das Tempo hochhalten konnte. Das wurde dann mit dem Vorlaufsieg in starken 45,48 Sekunden und dem großen „Q“ für den direkten Einzug ins Halbfinale belohnt.

„Ich bin 100 Prozent glücklich. Ich wollte das große Q haben und habe das große Q in meinem Lauf bekommen. Das war die zweitschnellste Zeit meiner Karriere - und das in einem Vorlauf. Spätabends laufe ich nicht so gern wie nachmittags, deswegen kann ich sehr zufrieden sein. Das Publikum hat mich auf jeden Fall getragen, es ist so schön, hier zu laufen. Auch dank der Volunteers, die einen begrüßen, wenn man die Startnummer befestigt bekommt und jeder einen supportet. Da bekommt man einfach ein super heimisches Gefühl, auch wenn ich aus Franken komme. Im Halbfinale möchte ich auf jeden Fall eine persönliche Bestleitung abrufen oder sie wenigstens attackieren und versuchen, ins Finale zu kommen. Auch auf die Staffel freue ich mich schon riesig. Wir sind stark und wenn wir das alles abrufen können an einem Tag, dann können wir hier auch eine Rolle im Finale spielen“, berichtet Schneider, der bei seinem Auftritt in München lediglich um 0,04 Sekunden über seinem Hausrekord blieb. 

Das hat gerade noch so gepasst. Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) beendete am Montagmorgen ihren 100-Meter-Vorlauf als Vierte. Die Top-Drei in jedem Rennen der ersten Runde kamen sicher weiter. Als Vierte musste Haase über die Zeitregel gehen. Ihre 11,50 Sekunden (Jahresbestzeit 11,20 sec.) waren da nicht unbedingt die Trumpfkarte. Nach einem nicht optimalen Start konnte die Sprintteam-Athletin hinten raus jedoch noch Boden gut machen. Am Ende reichte die Zeit für den Einzug ins Halbfinale. 

„Ich habe mir heute schwergetan, das habe ich schon beim Aufwärmen gemerkt. Es war zäh, aber heute durfte das so sein. Im Training läuft alles super. Aber vor heimischen Publikum zu starten, das ist schon etwas ganz anderes als etwa bei der WM. Ich bin zwar schon lange dabei, aber das überwältigt mich hier ich sehr. Morgen wird es besser“, so die 29-Jährige Sprinterin in ihrem Fazit.